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Bericht des Arbeitskreises
Politische Geographie über Tätigkeiten im Jahr 2001

Der Arbeitskreis Politische Geographie blickt ein Jahr nach seiner Gründung auf eine Reihe verschiedener Aktivitäten zurück, die im nachfolgenden Bericht zusammengefasst werden .

Der im Mai 2000 gegründete Arbeitskreis Politische Geographie hat derzeit 61 Mitglieder und zählt damit zu den größeren thematisch ausgerichteten Diskussionsforen der Geographie im deutschen Sprachraum. Auf verschiedenen Tagungen und Workshops konnten im vergangenen Jahr die derzeit zahlreichen Forschungsaktivitäten im Bereich der Politischen Geograpie vorgestellt und diskutiert werden. Sie haben v.a. dazu beigetragen, die im angloamerikanischen Raum bereits lange sehr aktive Politische Geographie auch im deutschsprachigen Raum wieder stärker in den Mittelpunkt des Fachinteresses zu rücken.

Im Januar 2001 fand in Heidelberg die vom Arbeitskreis ausgerichtete Tagung

Europa im Umbruch -
Geopolitische Leitbilder und Diskurse

statt. Im Zentrum des ersten Tagungsteils stand das aktuelle Thema "Europa" aus der Perspektive einer Kritischen Geopolitik. Ziel dieses "Europa-Forums" war es, die argumentative Vielfalt und den strategischen Charakter der geopolitischen Diskurse um Gestalt und Grenzen Europas und der EU zu diskutieren. Dazu waren Referenten aus dem Aussenministerium, den Politikwissenschaften und der deutschen und englischen Politischen Geographie eingeladen. Im Zentrum stand dabei nicht die Suche nach "den richtigen" Grenzen für Europa, sondern - im Sinne des Forschungsprogrammes der "Critical Geopolitics" - eine kritische Durchleuchtung (Dekonstruktion) des Einsatzes geopolitischer und geographischer Diskurse, Sprachspiele und Repräsentationen in der politischen Auseinandersetzung um die Neuordnung Europas und der EU im neuen Jahrtausend.

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Themen und Referenten waren:

  • The Meaning of Europe - Geopolitical Representations of Past and Present
    (Michael Heffernan, Department of Geography, University of Nottingham, UK)
  • Aktuelle geopolitische Leitbilder über Europa - Die Vorstellungen des Bundesaußenministers im Spannungsfeld der europäischen Nachbarn
    (Joscha Schmierer, Mitglied des Planungsstabes des Auswärtigen Amtes)
  • Entgrenzung und Europas Grenzen. Das europäische Integrationsprojekt im Kontext globalen Strukturwandels
    (Mathias Albert, Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld)
  • Europäische Neuordnung im Rahmen der Regulationstheorie: Re-Scaling von Staatlichkeit und europäischer Wettbewerbsstaat
    (Susanne Heeg, Geographisches Institut, Universität Hamburg)

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Im zweiten Teil der Tagung standen konzeptionelle Kernfragen und künftige Arbeitsschwerpunkte des AK Politische Geographie im Mittelpunkt. In diesem Rahmen wurden Paul Reuber und Günter Wolkersdorfer von den anwesenden Mitgliedern des Arbeitskreises einstimmig (bei zwei Enthaltungen) als Sprecher gewählt. Inhaltlich ging es v.a. um zwei Aspekte:

  • Wie politisch ist die Politische Geographie? - Mit Impulsreferaten von Anke Strüver und Bernd Belina drehte sich die Diskussion um die Frage der normativen Positionierung politisch-geographischer Forschungsarbeiten
  • Welches "Arbeitsprogramm" gibt sich der Arbeitskreis? -Themenfelder einer zukünftigen Forschungszusammenarbeit in der Politischen Geographie

Im August 01 erschien der Sammelband Politische Geographie: Handlungsorientierte Ansätze und Critical Geopolitics (304 S.). Er enthält die Erträge der Gründungstagung des Arbeitskreises vom Mai 2000 und gibt auf diese Weise einen Überblick über den State of the Art und die derzeitigen Forschungsrichtungen der deutschsprachigen Politischen Geographie. Unter der Homepage www.politische-geographie.de ist das Inhaltsverzeichnis einsehbar und der Band bestellbar.

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Auch an der Organisation und Durchführung einer Fachsitzung zum Thema "Raumbezogene Konflikte und kritische Geopolitik" auf dem Geographentag in Leipzig (Leitung Hans Gebhardt, Heidelberg und Paul Reuber Münster) waren Mitglieder des Arbeitskreises beteiligt und haben mit folgenden Vorträgen wesentliche Schwerpunkte gesetzt.

  • Julia Lossau, Bonn: Eine Frage der Positionierung. (Theorie-)politische Bemerkungen zur Dekonstruktion geopolitischer Weltbilder
  • Wolfgang Zierhofer, Nijmegen: Gibt es eine Politik jenseits des Nationalstaats?
    Spurenlese zu Formen des Politischen in und neben der Moderne
  • Günter Wolkersdorfer, Heidelberg: Die Renaissance geopolitischen Denkens über Europa
  • Anke Strüver, Nijmegen: Die Ver-Handlung der europäischen Grenzen:
    Zwischen Abgrenzung und Transnationalität
  • Judith Miggelbrink und Marc Redepenning, Leipzig: Das Banale dekonstrukieren? Zu den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Analyse "geopolitischer Raumbilder" am Beispiel der Standort Deutschland-Debatte
  • Bernd Belina, Bremen: Der "Kampf gegen den Rechtsextremismus" in den öffentlichen Debatten. Die Politische Geographie des antifaschistischen Sommertheaters 2000


Die oben aufgeführten Veranstaltungen und Veröffentlichungen des Arbeitskreises Politische Geograpie verbindet ein zentrales Leitmotiv der inhaltlichen Diskussion: die Verknüpfung neuer theoretischer Ansätze mit konkreten empirischen Arbeiten. Auf diese Weise ist es möglich, die derzeit konzeptionell wichtigen Strömungen, die von strukturalistischen und handlungsorientierten Konzepten bis zu poststrukturalistischen Entwürfen reichen, vergleichend auf ihre spezifischen Stärken und Schwächen hin zu diskutieren und gleichzeitig ihre Anwendbarkeit auf konkrete Fragestellungen im Dreieck von Gesellschaft, Raum und Macht hin zu überprüfen.

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Ein weiterer wichtiger Fokus der Diskussionen dreht sich um die Frage der normativen Positionierung wissenschaftlichen Arbeitens aus der Perspektive der Politischen Geographie. "Wie politisch ist die P(p)olitische Geographie" lautet hier die Kernfrage, die von den Mitgliedern des Arbeitskreises sehr unterschiedlich beantwortet wird. Die Positionen reichen hier von einer aktiven, politisch engagierten Kulturgeographie bis zu einer zunächst eher auf die konzeptionelle Dekonstruktion geopolitischer Repräsentationen, Sprachspiele und Codes gerichteten Grundlagenforschung.

Für das kommende Jahr sind derzeit folgende Vorhaben in Vorbereitung:

International conference on Nature, Nation and Society
Reconsidering "Politics" in Social and Political Geography, June 13 - 15, 2002 Nijmegen, The Netherlands
Organization Dr. Wolfgang Zierhofer, Dr. Olivier Kramsch, Department of Human Geography and Nijmegen Center for Border Research University of Nijmegen, in collaboration with
Arbeitskreis für Politische Geographie
Arbeitskreis für Geographie und Gesellschaftstheorie

Gestaltung eines Heftes der GR zum Thema "Politische Geographie Europas" (Juni 2002), durch Mitglieder des Arbeitskreises (Moderation: Paul Reuber)

Organisation eines "Nachwuchsworkshops" Politische Geographie am Institut für Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster


Prof. Dr. Paul Reuber
Dr. Günter Wolkersdorfer
Lehrstuhl für Anthropogeographie
Institut für Geographie
Universität Münster
Robert Koch-Straße 26-28
D-48149 Münster

 

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