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Vom 5.-7.
Mai 2000 fand in Heidelberg eine Tagung zur Politischen Geographie statt.
Mit über 70 TeilnehmerInnen war die Resonanz deutlich größer als
erwartet. Sie dokumentierte die Aktualität und das große Interesse, das
mittlerweile auch in der deutschsprachigen Scientific Community an einer
konzeptionell orientierten Politischen Geographie besteht.
Das
gemeinsame Motiv der Vorträge und Workshops bildete der Bezug auf ein
konstruktivistisches Leitbild: im Mittelpunkt sowohl der handlungs- als
auch der diskursorientierten Beiträge stand der Aspekt der politischen
Konstruktion und Instrumentalisierbarkeit geopolitischer
Regionalisierungen, planungspolitischer Leitbilder, akteursspezifischer
„geographical imaginations“ etc. im Kontext politischen Handelns. Auf
der Basis zeigte diese Form der Politischen Geographie eine große
inhaltliche Bandbreite, die von lokalen Konflikten bis zur Untersuchung
transnationaler Verflechtungen, von ökologischen Themen bis zu Fragen der
politischen Identität, Symbolisierung und Repräsentation (Macht)
reichte. Die Vorträge zeigten, dass die Rezeption angloamerikanischer Ansätze
mittlerweile selbstverständlich geworden ist und dass die
inhaltlich-konzeptionellen Beiträge international anschlussfähig sind.
Mit diesem
Forschungsansatz ist sich die Politische Geographie ihres zwangsläufig
normativen Standpunktes bewusst. Sehr unterschiedlich beantworteten die
TeilnehmerInnen aber die Bedeutung und Stärke eines normativ-politischen
Engagements aus der wissenschaftlichen Arena heraus. Die Meinungen
reichten hier von einer primär auf die wissenschaftliche Dekonstruktion
konzentrierten Arbeitsweise bis hin zu einer ganz dezidiert normativen,
politisch bewussten und aktiv-engagierten Haltung.
Die
Veranstaltung endete mit der Gründung eines Hochschul-Arbeitskreises
Politische Geographie. Mit der Sprecherfunktion wurden Paul Reuber und Günter
Wolkersdorfer beauftragt, die auch das nächste Treffen organisieren.
Das
Tagungsprogramm im Überblick:
[Top]
Erster Tag:
Einführungsvortrag:
Handlungsorientierte Politische Geographie und Critical Geopolitics –
aktuelle Konzepte in der Politischen Geographie
von Paul
Reuber und Günter Wolkersdorfer
Schwerpunktthema
Critical Geopolitics
-
Zur
Konstruktion von Raum und Politik in der Geographie des 20. Jahrhunderts
von
Ute Wardenga
-
Politische
Geographie und Geopolitik – zwei Seiten derselben Medaille?
von
Günter Wolkersdorfer
-
Anderes
Denken in der Politischen Geographie: der Ansatz der Critical Geopolitics
von
Julia Lossau
Schwerpunktthema handlungsorientierte Geograpische Konfliktforschung
-
Zwischen
Eigennutzen und Politischen Spielregeln – Zur handlungstheoretischen
Konzeption einer Politischen Geographie
von
Paul Reuber
-
Politische
Ökologie – ein handlungs- und akteursorientiertes Konzept der
Umweltforschung in Entwicklungsländern
von
Thomas Krings
Schwerpunktthema: Ansätze einer Politischen Geographie jenseits des
‚Territorial Trap‘
-
Das
Jahrzehnt der Bürgerinitiativen. Partizipative Bewegungen der 70er und
80er Jahre als Thema der Politischen Geographie
von
Hans Gebhardt
-
Enträumlicht,
aber situiert ... – Zur Politischen Geographie transnationaler
Bewegungsorganisationen
von
Dietrich Soyez
Tagesabschluß
-
Modernisierung
der Belanglosigkeit oder Neubeginn einer kritischen Politischen Geographie
von Jürgen
Ossenbrügge
Zweiter
Tag:
[Top]
Sondervortrag
-
The changing meanings of boundaries and the challenges of boundary
research
von
Anssi Paasi
Workshops mit Impulsreferaten zu aktuellen Themenbereichen einer
handlungs- und diskursorientierten Politischen Geographie
Critical Geopolitics
-
Territorien und Politik von Marc
Redepenning
-
Das räumliche
Stereotyp im öffentlichen Diskurs – das Beispiel der Berliner Republik
von Friedericke Meyer zu
Schwabedissen
Politische
Ökologie
-
Political
Ecology: Theoretische Leitlinien und Bezugspunkte zur Entwicklungsländerforschung
von Barbara Müller
-
Was ist das
Politische an der Politischen Ökologie, was könnte es sein? von Michael Flitner
Handlungsorientierte
Geographische Konfliktforschung
-
Handeln in
Netzen: Zur Bedeutung von Struktur für soziales Handeln von Johannes Glückler
-
Struktur und
Handeln im Regulationsansatz. Anknüpfungsmöglichkeiten für eine
handlungsorientierte geographische Konfliktforschung von Manfred
Miosga
Umkämpfte
StadtRäume: Politische Geographie als politische Geographie
-
Umkämpfte
Ideologien: "Kriminelle Räume" vs. "Öffentlicher
Raum" von Bernd Belina
-
Ein
Stigma-Stadtplan von Berlin von Ulrich
Best und Dirk Gebhardt
-
Räumliche
Identität als politischer Impuls bei der Stadtteilaneignung von Anke Strüver
-
Stadtmarketing,
Sicherheit und soziale Integration als alltägliche Regionalisierungen?
von Gesa Helms
Abschlußdiskussion
im Plenum und Gründung eines Arbeitskreises Politische Geographie
Die
Ergebnisse der Tagung werden in einem Sammelband „Politische Geographie
– Handlungs- und diskursorientierte Konzepte“ veröffentlicht
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