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In
den neuen Konflikten um räumlich lokalisierte Ressourcen, Territorien und
Macht nach dem Ende des Kalten Krieges spielen geopolitische
Argumentationen eine zentrale Rolle. Von Huntington´s Clash of
Civilisations über Brzezinskis Visionen von der „Einzigen Weltmacht“
USA bis hin zur Ausländer- und Asyldebatte in der Bundesrepublik verknüpfen
Akteure in strategischen Diskursen, Karten und Weltbildern den „Raum“
mit territorialer Identität, mit Religion, mit wirtschaftlichem Wohlstand
oder Armut. Auf dieser Basis entstehen strategische „Geographical
Imaginations“, die gezielt für geopolitische Interessen eingesetzt
werden können. Im Zentrum der Fachsitzung steht die wissenschaftliche
Dekonstruktion solcher geopolitischer Weltbilder. Die theoretische Basis
dafür bildet die in der angloamerikanischen Politischen Geographie
entwickelte Forschungsrichtung der „Critical Geopolitics“ (O Tuathail
1996, O Tuathail & Dalby 1998).
Die
Fachsitzung will mit zwei stärker konzeptionellen Beiträgen und zwei stärker
fallbezogenen und sehr aktuellen Beispielen die Möglichkeiten und Grenzen
des Ansatzes reflektieren und an den konkreten Fällen die Struktur der
geopolitischen Diskurse, ihre strategischen Zielsetzungen und ihren nicht
selten manipulativen Charakter herausarbeiten.
Auf
der konzeptionelle Ebene zieht sich ein Spannungsbogen durch die Sitzung,
der mit der normativ angelegten Reflexion von Julia Lossau beginnt. Sie
thematisiert das politische Fundament und die „Wertebasis“ einer
dekonstruktivistischen Perspektive im Sinne der Critical Geopolitics und
arbeitet auf dieser Basis eine „Taktik der politischen Positionierung“
heraus. Der anschließende Beitrag von Wolfgang Zierhofer erläutert das
derzeit inhaltlich wichtigste Spannungsfeld der geopolitischen Diskussion:
die Veränderung der Rolle des Nationalstaates im Kontext einer
zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung von Politik und Ökonomie.
Die
stärker fallbezogenen Beiträge greifen diesen Spannungsbogen auf und erläutern
die konzeptionellen Reflexionen an aktuellen Kernproblemen der
geopolitischen Debatte um Territorialität, Integration und Ausgrenzung in
Deutschland und Europa. Dabei erfolgt die Annäherung aus zwei
geographischen Perspektiven: aus der Makro-Perspektive der Debatte um das
zukünftige Europa und aus der Mikro-Perspektive der damit verknüpften
Standort-Deutschland-Debatte in der BRD.
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Günter
Wolkersdorfer zeigt vor dem Hintergrund der aktuellen politischen
Diskussion die argumentative Vielfalt und den strategischen Charakter der
geopolitischen Diskurse das Spannungsfeld zwischen der geopolitischen
Gestalt Europas und der konkreten Ausdehnung der künftigen EU. Anke Strüver
konzentriert sich auf die europäischen Grenzen. Sie hebt die
Bedeutungsvielfalt von Grenzen als geopolitischen Konstruktionen hervor
und beleuchtet die Interessen und Machtverhältnisse der Akteure, die sich
an geopolitischen Grenzdiskussionen beteiligen.
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Judith
Miggelbrink und Marc Redepenning untersuchen auf der nationalstaatlichen
Ebene der BRD, welche geopolitischen Raumbilder im Kontext der
„Standort-Deutschland-Debatte“ in den alltäglichen Diskursen der Bevölkerung
produziert werden. Bernd Belina zeigt am Spezialfall der aktuellen Debatte
um den Rechtsradikalismus in Deutschland, wie sehr sich selbst bei diesem
Thema die öffentliche Diskussion längst nicht allein um die Opfer
rechter Gewalt dreht, sondern um den Imageschaden, den der „Standort
Deutschland“ dabei davontragen kann.
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Titel
der Vorträge und Kurzvorträge:
Konzeptioneller
Teil
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Julia
Lossau, Bonn: Eine Frage der Positionierung. (Theorie-)politische
Bemerkungen zur Dekonstruktion geopolitischer Weltbilder
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Wolfgang
Zierhofer, Nijmwegen: Gibt es eine Politik jenseits des Nationalstaats?
Spurenlese zu Formen des Politischen in und neben der Moderne
20
min. Pause
Fallbezogener
Teil (Kurzvorträge, gruppiert in zwei Blöcken)
Die
europäische Perspektive
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Günter
Wolkersdorfer, Heidelberg: Die Renaissance geopolitischen Denkens über
Europa
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Anke
Strüwer, Nijmwegen: Die Ver-Handlung der europäischen Grenzen: Zwischen
Abgrenzung und Transnationalität
Die
bundesrepublikanische Perspektive
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Judith
Miggelbrink und Marc Redepenning, Leipzig: Das Banale dekonstrukieren? Zu
den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Analyse „geopolitischer
Raumbilder“ am Beispiel der Standort Deutschland-Debatte
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Bernd
Belina, Bremen: Der „Kampf gegen den Rechtsextremismus“ in den öffentlichen
Debatten. Die Politische Geographie des antifaschistischen Sommertheaters
2000
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