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Fachsitzung Raumbezogene Konflikte und kritische Geopolitik
53. Geographentag in Leipzig, 29.9.-06.10.2001

(Leitung: H. Gebhardt, P. Reuber)

 

In den neuen Konflikten um räumlich lokalisierte Ressourcen, Territorien und Macht nach dem Ende des Kalten Krieges spielen geopolitische Argumentationen eine zentrale Rolle. Von Huntington´s Clash of Civilisations über Brzezinskis Visionen von der „Einzigen Weltmacht“ USA bis hin zur Ausländer- und Asyldebatte in der Bundesrepublik verknüpfen Akteure in strategischen Diskursen, Karten und Weltbildern den „Raum“ mit territorialer Identität, mit Religion, mit wirtschaftlichem Wohlstand oder Armut. Auf dieser Basis entstehen strategische „Geographical Imaginations“, die gezielt für geopolitische Interessen eingesetzt werden können. Im Zentrum der Fachsitzung steht die wissenschaftliche Dekonstruktion solcher geopolitischer Weltbilder. Die theoretische Basis dafür bildet die in der angloamerikanischen Politischen Geographie entwickelte Forschungsrichtung der „Critical Geopolitics“ (O Tuathail 1996, O Tuathail & Dalby 1998).

Die Fachsitzung will mit zwei stärker konzeptionellen Beiträgen und zwei stärker fallbezogenen und sehr aktuellen Beispielen die Möglichkeiten und Grenzen des Ansatzes reflektieren und an den konkreten Fällen die Struktur der geopolitischen Diskurse, ihre strategischen Zielsetzungen und ihren nicht selten manipulativen Charakter herausarbeiten.

Auf der konzeptionelle Ebene zieht sich ein Spannungsbogen durch die Sitzung, der mit der normativ angelegten Reflexion von Julia Lossau beginnt. Sie thematisiert das politische Fundament und die „Wertebasis“ einer dekonstruktivistischen Perspektive im Sinne der Critical Geopolitics und arbeitet auf dieser Basis eine „Taktik der politischen Positionierung“ heraus. Der anschließende Beitrag von Wolfgang Zierhofer erläutert das derzeit inhaltlich wichtigste Spannungsfeld der geopolitischen Diskussion: die Veränderung der Rolle des Nationalstaates im Kontext einer zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung von Politik und Ökonomie.

Die stärker fallbezogenen Beiträge greifen diesen Spannungsbogen auf und erläutern die konzeptionellen Reflexionen an aktuellen Kernproblemen der geopolitischen Debatte um Territorialität, Integration und Ausgrenzung in Deutschland und Europa. Dabei erfolgt die Annäherung aus zwei geographischen Perspektiven: aus der Makro-Perspektive der Debatte um das zukünftige Europa und aus der Mikro-Perspektive der damit verknüpften Standort-Deutschland-Debatte in der BRD. 

-         Günter Wolkersdorfer zeigt vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussion die argumentative Vielfalt und den strategischen Charakter der geopolitischen Diskurse das Spannungsfeld zwischen der geopolitischen Gestalt Europas und der konkreten Ausdehnung der künftigen EU. Anke Strüver konzentriert sich auf die europäischen Grenzen. Sie hebt die Bedeutungsvielfalt von Grenzen als geopolitischen Konstruktionen hervor und beleuchtet die Interessen und Machtverhältnisse der Akteure, die sich an geopolitischen Grenzdiskussionen beteiligen.

-         Judith Miggelbrink und Marc Redepenning untersuchen auf der nationalstaatlichen Ebene der BRD, welche geopolitischen Raumbilder im Kontext der „Standort-Deutschland-Debatte“ in den alltäglichen Diskursen der Bevölkerung produziert werden. Bernd Belina zeigt am Spezialfall der aktuellen Debatte um den Rechtsradikalismus in Deutschland, wie sehr sich selbst bei diesem Thema die öffentliche Diskussion längst nicht allein um die Opfer rechter Gewalt dreht, sondern um den Imageschaden, den der „Standort Deutschland“ dabei davontragen kann.

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Titel der Vorträge und Kurzvorträge:

Konzeptioneller Teil

-       Julia Lossau, Bonn: Eine Frage der Positionierung. (Theorie-)politische Bemerkungen zur Dekonstruktion geopolitischer Weltbilder

-       Wolfgang Zierhofer, Nijmwegen: Gibt es eine Politik jenseits des Nationalstaats? Spurenlese zu Formen des Politischen in und neben der Moderne

20 min. Pause

Fallbezogener Teil (Kurzvorträge, gruppiert in zwei Blöcken)

Die europäische Perspektive

-       Günter Wolkersdorfer, Heidelberg: Die Renaissance geopolitischen Denkens über Europa

-       Anke Strüwer, Nijmwegen: Die Ver-Handlung der europäischen Grenzen: Zwischen Abgrenzung und Transnationalität

Die bundesrepublikanische Perspektive

-         Judith Miggelbrink und Marc Redepenning, Leipzig: Das Banale dekonstrukieren? Zu den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Analyse „geopolitischer Raumbilder“ am Beispiel der Standort Deutschland-Debatte

-         Bernd Belina, Bremen: Der „Kampf gegen den Rechtsextremismus“ in den öffentlichen Debatten. Die Politische Geographie des antifaschistischen Sommertheaters 2000  

 

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   AK Politische Geographie